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Berlin: “Die Vormachtstellung des Autos […] ist vorbei”

Covid 19 und seine Auswirkungen scheinen gekommen, um zu bleiben. Aber neben dem Virus grassiert in manchen Metropolen eine weitere flächendeckende Ausbreitung: die der autofreien Innenstädte.

Seit Anfang September ist die Friedrichstraße in der Berliner Innenstadt für Kraftfahrzeuge gesperrt. Anfängliche Skepsis, der dortige Handel könnte leiden und in seiner wirtschaftlichen Existenz gefährdet sein, scheinen sich nicht zu bewahrheiten - obwohl es noch zu früh ist, einen Trend ablesen zu können. Vor etwa einer Woche dann ein weiterer Plan aus dem Rathaus: Man denke ernsthaft darüber nach, auch auf der berühmten Chaussee Unter den Linden, welche das Museums- und Univiertel mit dem Abschnitt Tiergarten verbindet, vom motorisierten Alltagsverkehr zu befreien. Beide Straßen haben auf den ersten Blick schon mal eines gemeinsam: Unter beiden verlaufen U-Bahnlinien beziehungsweise werden Ende Herbst in Betreib genommen (Verlängerung der U5). Perfekte Bedingungen also für das Projekt einer autofreien Flaniermeile Unter den Linden. 

Nun legen die Berliner Abgeordneten nach, es soll der Bergmannstraße in Kreuzberg an den motorisierten Kragen gehen. Berühmt für ihre schmuckhaften Gründerzeitenfassaden, belebten Restaurants und kleinen Einkaufsmöglichkeiten ist der so genannte Bergmannkiez geradezu prädestiniert für eine autofreie Zone. 

Die Pläne sehen ähnlich wie bei Friedrichstraße und Unter den Linden vor, dem dortigen Lieferverkehr ein Zeitfenster von mehreren Stunden in der Früh (im Falle Bergmannkiez von 06:00h bis 11:00h) zu gewähren. Von der Reglung in allen Projekten ausgenommen sind natürlich Einsatzfahrzeuge. Zudem werden alle anliegenden Straßen im Umkreis Bergmannkiez zu Einbahnstraßen respektive Zone 20 Straßen. Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann (Grüne) fasst pathetisch zusammen: "Die Vormachtstellung des Autos und die Zeit der autogerechten Stadt sind vorbei." 
Zudem soll der touristisch attraktive Bergmannkiez begrünt und mit Biotopen versehen werden: künstlich angelegte Wasserläufe, die Regenwasser filtern und Insekten Lebensraum bieten sollen, ergänzt durch weitere öffentliche Sitzgelegenheiten, neue Grünflächen und ein zweispuriger Fahrradweg sollen das Bild des Viertels dann komplettieren. "Der Bergmannkiez wird unser Modellprojekt für den Kiez der Zukunft", heißt es aus dem zuständigen Bezirksamt gegenüber dem Nachrichtenmagazin ntv. 

 

Die Beratung zu dem Projekt Bergmannkiez startet nächste Woche. Welches Viertel nimmt sich die Regierung in der Hauptstadt wohl als nächstes vor?